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Jun 13 / 2016

Vietnam – kleine Schritte

Nachdem ich nochmals mein Geschriebenes, was ich ja kurz nach Vietnam verfasste, durchgelesen habe, drängte sich natürlich die Frage nach der Aktualität auf und vor allem, ob es mir jetzt immer noch so geht. Erst dachte ich, mh nein irgendwie nicht, doch dann mit jeder gelesenen Zeile merkte ich, dass es genauso aktuell ist wie in dem Moment als ich es vor 11 Wochen  geschrieben habe…

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Kleine Schritte, einen nach dem anderen. Nicht stehen zu bleiben, nicht zweifeln, mit Kraft und Überzeugung, Mut und Willensstärke immer weiterzugehen. Ja klar habe ich Angst auch mal Entscheidungen zu treffen von denen ich noch nicht ganz überzeugt bin und dennoch weiter verfolgen sollte. Ja klar habe ich Angst dadurch auch Distanz aufzubauen, die ich zunächst nicht überwinden kann. Ja klar habe ich Angst vor allem, was ich los trete und nicht mehr eingefangen bekomme. Loslassen heißt auch mit allen Konsequenzen leben zu müssen. Ja davor habe ich Angst. Denn auch ich kann die Uhr nicht zurück drehen und was ich gesagt, getan und mir gewünscht habe, nicht einfach wieder zurücknehmen. Und so verschließe ich all das noch wie einen kostbaren Juwel oder wie einen unheilvollen Virus deren Gegenmittel ich nicht besitze.

All unser Handeln zieht Konsequenzen nach sich, positive wie auch negative. Je nach dem aus welcher Perspektive wir es betrachten. Genau die gleiche Aussage kann völlig unterschiedliche Auswirkungen haben, eben je nach dem, was der Betroffene daraus macht. Und genau das ist es, was mir ein bisschen Angst macht, wovor ich zurückschrecke. Und wieder erscheint vor meinem inneren Auge das Wort „Loslassen“. Hör auf Angst zu haben, Angst blockiert, Angst verändert nichts, Angst bringt uns keinen Millimeter weiter. Angst ist so schön einfach, hinter der Angst kann man sich so schön verstecken, Angst ist so vertraut, so alltäglich, wird täglich genährt, begleitet uns bei jedem Schritt, jeder hat sie, manche mehr manche weniger und die, die viel davon haben tragen das engste Korsett in dem sie sich wenig bewegen können und dem sie sich auch gern einbilden sich sicher fühlen zu können. Ja und die Sicherheit ist die Schwester der Angst. Für manche von uns ist Sicherheit eines der höchsten Ziele, Sicherheit ist auch wie ein Korsett, gibt uns auch wenig Bewegungsfreiheit und lässt uns glauben keine Angst haben zu brauchen. Sicherheit wird oft mit positiven Attributen verbunden, ist erstrebenswert und gibt uns meist ein gutes Gefühl. Doch Sicherheit macht uns auch bequem, lullt uns ein und macht uns träge. Gern ist Besitz der Verbündete der Sicherheit. Wer viel besitzt glaubt wenig existentielle Angst haben zu müssen, hat viel Sicherheit für die Zukunft, muss sich keine finanziellen Sorgen machen und lässt uns glauben für etwaige Eventualitäten abgesichert zu sein. Doch je mehr wir besitzen, bilden wir uns ein es immer besser schützen und vermehren zu müssen und leise und fast unbemerkt wird der Besitz zur Belastung und neue Angst sie zu verlieren entsteht und damit fühlt sich die Sicherheit auch angegriffen und gefährdet und der Kreislauf beginnt von neuem…

Das ist z.B. eine Erkenntnis, die ich aus Vietnam mitnehme. Wer wenig besitzt braucht sich auch keine Gedanken machen, dass jemand einem etwas weg nimmt. Das Teilen scheint sogar einfacher zu sein und die Hoffnung größer auch mal jemanden zu treffen, der gern etwas mit einem selbst teilt. Fällt es uns nicht oft auch einfacher etwas zu geben als zu nehmen? Und das nicht nur aus dem Bedürfnis heraus in niemanden Schuld zu stehen, sondern allein aus dem Wunsch heraus jemand anderen etwas Gutes zu tun? Auf der Reise haben wir es „Karma-Punkte sammeln“ genannt. Denkst du im Geben, tust du Gutes, dann wiederfährt dir auch Gutes. Nicht alles, was dir Positives begegnet ist ausschließlich Glück, sondern es hat viel mit deiner inneren Einstellung zu tun. Wie du wem gegenüber auftrittst oder was du wie machst. Mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass alles nur Zufall ist und es ausschließliche Glückspilze und Pechvögel gibt. Es lohnt sich durchaus mal darüber nachzudenken, woher etwas kommt und was wir wie beeinflussen können. Ich habe jahrelang, als ich Jugendliche war, gedacht ich bin ein Pechvogel. Es haben sich meist die falschen Jungs in mich verliebt und die, die ich nicht so recht wollte, standen vor meiner Tür. Ich fühlte mich oft ausgeschlossen aus der Clique und hatte den Eindruck immer kämpfen zu müssen. Das änderte sich erst als ich vieles in meinem Leben hinterfragte, versuchte herausfinden, warum wie was funktionierte und ich das änderte, was mir nicht gut tat, mich von dem zu distanzierte, was mir weh tat und dem aus dem Wege ging, was ich nicht beeinflussen oder ändert konnte. Dann folgte lange Zeit eine Phase in der ich oft sagte wie viel Glück ich hatte wie froh ich war, dass mir jenes oder dieses wiederfuhr. Ich sagte ich hatte mega Glück meinen Mann kennen gelernt zu haben, heute noch genauso glücklich mit ihm zu sein wie von Anfang an, mehr noch, mit jedem Tag, den wir zusammen sind, die Verbindung zu festigen und stärker zu machen, einzigartiges Glück zwei wundervolle Mädchen zu haben, beruflich erfüllt und glücklich zu sein, Freunde zu haben, die mich mögen und verstehen, ein tolles Haus, tolle Urlaube, ja und einfach rund um glücklich zu sein. Das stimmt auch alles. Und doch ahne ich heute, dass es nicht ausschließlich Glück und Zufall ist, sondern auch die Art wie ich dem Leben begegne. Wie ich mit was und wem umgehe, was ich bereit bin zu geben und wo ich auch mal etwas einfordere, für mich einstehe, wann, wie und wobei ich auch mal egoistisch bin, wann ich nachgebe, stand halte, Kompromisse eingehe, mich auch mal zurückhalte und inne halte, wann ich los lasse, festhalte, stehen bleibe, weiter gehe, wen ich mitnehme und gehen lasse. All das geschieht nicht immer bewusst und mit Kalkül, ganz im Gegenteil, vieles machen ich ständig intuitiv, weil ich mich darauf einfach verlasse. Klar hinterfrage ich manches, überprüfe mich auch mal selbst, stelle unangenehme Fragen, führe Konflikte mit mir selbst, fühle mich dann auch mal allein und einsam und suche dann auch wieder eine Brücke.

Und plötzlich, gerade jetzt beim Schreiben, erschließt sich eine Antwort auf meine vielen Fragen. Ich trat die Reise nach Vietnam an, um all meine Antennen noch mehr zu sensibilisieren, um die Wahrnehmungskanäle frei zu pusten, um noch bewusster und klarer handeln, unterscheiden, entscheiden, agieren, reagieren und gestalten zu können. Seit ich wieder da bin, nehme ich so viel mehr wahr oder konzentriere mich mehr darauf, weiß aber noch nicht genau, was ich damit anfangen will. Und langsam, wie das betätigen des Scheibenwischers bei völlig verschmierter Windschutzscheibe, erkenne ich, was ich daraus machen kann. Mit jeder meiner Antwort, Aktion und Reaktion kann ich das Geschehene verändern. Allein schon, wenn mir einer meine Töchter eine Frage stellt und ich ihnen ab jetzt eine andere Antwort gebe. Wenn ich z.B. mehr Selbstständigkeit einfordere oder erbitte und dieser nachgekommen wird. Wenn ich sensibilisiere, mit gutem Bespiel voran gehe und ihnen dadurch zeige, dass man manchen Dingen im Leben auch anders begegnen kann.

So liegt es in meiner Hand, was ich wie in Zukunft mache und wie ich wem gegenüber auftrete. Und plötzlich ist die Angst vor der Veränderung wie weggeblasen, denn ich habe es doch selbst in der Hand mit welcher Geschwindigkeit ich was verfolge, forciere und vorantreiben möchte. Und was bleibt ist der Wunsch jeden Tag etwas Gutes zu hinterlassen, die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu machen und was kann daran schon schlecht sein?

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Begleitend zu den Fotos könnt Ihr unter folgenden Links die Tourblog-Einträge finden:

Dien Bien Phu

Frühe Vögel in den Bergen