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Jun 26 / 2020

Was bleibt

Stellst du dir auch die Frage, was bleibt. Was bleibt von all den Erfahrungen und Erlebnissen, die wir währen der Corona-Zeit machen/gemacht haben?

Was nimmst du mit? Was verschwindet wieder? Woran hältst du fest und was bekommst du zurück?

Ich für meinen Teil verweile nach wie vor im Beobachtungsmodus. Immer noch ist es total spannend zu sehen, was sich alles entwickelt, wenn plötzlich Raum und Zeit zur Verfügung steht für Dinge, die vor der Corona-Zeit gar keine Chance hatten entdeckt zu werden, da vielleicht der Alltag eng getaktet war.

Meine kleine Tochter entdeckt das Interesse an der Chemie, sie möchte jeden Tag Schleim und Knete herstellen, filmt sich dabei und erklärt, wie in einem YouTube Video, wie sie vorgeht, welche Zutaten man benötigt und welche Auswirkungen diese haben. Sie recherchiert, probiert aus, erweitert ihr Wissen und optimiert somit bei jedem Versuch das Ergebnis. Sie probiert Rezepte aus und ergänzt damit den Speiseplan für uns alle.

Sie trainiert ihre Beweglichkeit, dehnt sich jeden Tag, kann mittlerweile einen Spagat, von dem sie dachte sie würde es nie schaffen. Tastet sich bei dem Handstand-Überschlag heran. Entweder mit Hilfe ihrer Schwester, die plötzlich wie infiziert mitmacht, an der Wand in ihrem Zimmern oder auf dem Trampolin.

Meine große Tochter hat alles was sie braucht im Leben, ich könnte sie in die große weite Welt schicken und wüsste sie kommt klar. Sie entwickelt sich ganz wunderbar, mein Herz geht auf, wenn ich sie beobachte. Sie ist unglaublich empathisch, sensibel, einfühlsam, rücksichtsvoll, umsichtig, hilfsbereit und fürsorglich. Diese besondere Zeit hat ihre Stärken so wundervoll sichtbar gemacht, das ich vor Glück die Welt umarmen möchte (ach warte mal, das darf ich ja momentan gar nicht… ach egal, ich mach’s dennoch :-)).

Beide Töchter wissen nun wie man ein Notebook bedient, was Exel und Word ist, können Dateien anlegen, Texte verfassen, Dateien ausdrucken, nach Dingen bei Google suchen und sich darüber Aufgabenlösungen erarbeiten.

Sie schließen sich mit ihren Mitschülern via Skype kurz, chatten, machen Video-Anrufe, helfen sich in Gruppenarbeiten, spielen auch ab und an mal ein Spiel zusammen finden dadurch eine neue Form der Gemeinschaft.

Sie haben gelernt wie man Toiletten putzt und das sich Wollmäuse auch unter dem Bett verstecken, das Ecken nicht rund sind und Staubfusseln sichtbar bleiben, wenn man zu faul zum ordentlichen Saugen ist.

Sie sind gezwungen sich selbst zu organisieren und merken, dass der abzuarbeitende Stapel größer wird, wenn man die Aufgaben gern auf morgen schiebt.

Sie genießen die Nestwärme und die warmen Umarmungen mehr und deutlich, weil sie nicht mehr selbstverständlich wie das Atmen sind.

Sie stellen Fragen, die ihnen zuvor nie in den Kopf gekommen wären, verfolgen Nachrichten und interessieren sich dafür.

Das Treffen mit einer Freundin ist so wertvoll wie ein besonderes, vor allem seltenes Event/Highlight geworden. Sie merken, dass Zusammenhalt wichtiger ist als Recht zu haben. Sie schlafen gern zusammen gekuschelt in einem Bett oder auch gern mal bei Mama und Papa, streiten sich um das neuere Notebook, nur aus Prinzip und finden eine Lösung, wenn man sie selbst danach suchen lässt.

Und was mache ich in dieser ganzen Zeit? All das beobachten, es genießen, mich darüber freuen, dass die Charaktere von uns allen so sichtbar, fühlbar und wertvoll offen vor uns liegt. Eine Zeit der Behutsamkeit, der Rücksichtnahme, des liebevollen Umgangs und der großen Chancen uns selbst ein Stück näher zu kommen. Unverstellt, unangepasst, authentisch, echt und dadurch vielleicht ein bisschen wahrhaftiger.

Ich nehme viel mit aus dieser Zeit. Jeden Tag füllt sich das Becken der Erkenntnisse und ich hoffe sehr noch lange davon zehren und mich erinnern zu können. Und vor allem vieles zu bewahren, was mir wichtiger denn je erscheint.

Diese vorherigen Ausführungen schrieb ich nunmehr schon vor drei Wochen und der alte Alltag, gepaart mit dem neuen prägt den zukünftigen. Ich versuche darauf zu achten, dass Raum und Zeit bleibt, damit sich weiterhin Neues entwickeln und ergeben darf und bin schon jetzt sehr gespannt wie lange ich das schaffe und konservieren kann. Ja natürlich weiß ich, dass es ganz bei uns selbst liegt und doch weiß ich ebenso wie alte Gepflogenheiten neue zarte Knospen der Veränderung gern auch mal verdrängen. Und doch halte ich daran fest, denn die stetige Veränderung ist der Nährboden von unserer ganz eigenen Entwicklung.

Aber eins steht fest, auf Umarmungen mit lieben Menschen möchte ich nicht mehr lange verzichten. Denn die ersten Umarmungen mit einer lieben Freundin rührten mich bis ins Mark und erst durch diese Gefühle wurde mir noch deutlicher wie ich das vermisse/vermisst habe.

Wie geht es dir momentan und mit dem, was war, was ist und was kommen darf?